Martina Grabski            

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Fütterung - Rauhfutter

Veröffentlicht am 26.12.2003

Rauhfutter: Heu, Heulage und Stroh

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Für das Verdauungssystem unserer Pferde ist eine Futtergrundlage mit einem hohem Rohfasergehalt sehr wichtig. Das sog. Rauhfutter (Heu, Heulage oder auch Stroh) bietet den Pferden durch seinen hohen Rohfasergehalt eine lange Verdauungszeit, die der Verdauung der Pferde sehr entgegen kommt.

Außerdem bietet Rauhfutter Pferden durch seine lange Kauzeit einen nicht zu unterschätzenden Zeitvertreib, schließlich verbringen Pferde in der freien Wildbahn bis zu 16 Stunden täglich mit der Nahrungsaufnahme. Zusätzlich gewährleistet eine ausreichende Versorgung mit Rauhfutter auch einen guten Zahnabrieb, der bei der Fütterung von Kraftfutter zu kurz kommt.

Allgemeines zum Grasschnitt:

Die Qualität und der Nährstoffgehalt hängt stark von der Zusammensetzung der Weidegräser und Kräuter, dem Boden, dem Zeitpunkt der Ernte sowie der Lagerung ab. Je früher das Gras geschnitten wird um so höher ist sein Rohproteingehalt und desto geringer sein Rohfasergehalt. Bei Verdauungsprozess werden die Rohproteine in Energie umgesetzt d.h. das vor der Blüte geerntetes Heu mit einem ca. 15%igen Rohproteingehalt am energiereichsten ist und mit ca. 22%igen Rohfasergehalt am wenigsten Struktur hat. Mit Beginn der Blüte sinkt der Rohproteingehalt auf ca. 12 % während der Rohfasergehalt auf ca. 25 % ansteigt. Bei in voller Blüte geschnittenem Heu ist der Rohproteingehalt bereits auf unter 10% gesunken und der Rohfasergehalt auf ca. 28 % gestiegen. Das überständige nach der Blüte gemähte Gras hat mit bis zu 35 % den höchsten Rohfasergehalt und mit ca. 7 % den niedrigsten Rohproteingehalt.

Das Gras aus dem 2. Schnitt, das sog. Grummet, ist sehr strukturarm und sehr reich an Rohprotein, daher wird es in den meisten Fällen für Pferde als nicht geeignet bezeichnet.

Wichtig beim Grasschnitt ist die richtige Schnitthöhe, die die Qualität des späteren Heues / Heulage mitbestimmt. Bei einer zu geringen Schnitthöhe können Erdreste oder Tierkadaver (z.B. von Mäusen) in das Heu gelangen. Erdreste machen das Heu staubig und fördern die Bildung von Schimmel.

Gutes Heu sollte von grüner Farbe sein, duftet aromatisch und sollte keinerlei Spuren von Schimmel oder Feuchtigkeit enthalten. Auch Unkräuter wie Ampfer, Brennesseln und Disteln sind im Heu unerwünscht. Heu sollte vor der Verfütterung ca. 6 bis 8 Wochen ablagern, da es sonst Koliken auslösen kann.

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Heucobs sind eine Alternative für Heustauballergiker oder alte Pferde mit Zahnproblemem.

Heucobs sind aus kurzgehäckseltem Heu gepresste Pellets. Da die Cobs bei der Zufuhr von Flüssigkeit stark aufquellen, werden sie vor dem Verfüttern in einer großen Menge Wasser aufgeweicht. Bei einer Fütterung mit trockenen Heucobs kann es zu Schludverstopfungen oder Verstopfungskoliken kommen.



Heulage oder Silage - Die Unterschiede

Der Unterschied von Heulage und Silage liegt in dem Anteil der enthaltenen Trockensubstanz. Rindersilage hat einen Trockensubstanzanteil von ca. 15 % - 25 %, Feuchtsilage bis ca. 35 %. Für Pferde am besten geeignet ist die sog. Heulage mit einem Trockensubstanzanteil von ca. 40 % - 60 % (manchmal auch bis zu 80 %) hat. Durch die nur kurze Anwelkzeit bei der Gewinnung der Heulage gehen weniger Nährstoffe als bei der Heutrocknung verloren, daher ist Heulage (bei selben Schnittzeitpunkt) energiereicher als Heu. Allerdings hat Heu einen höheren Rohfasergehalt, da dieser bei der Trocknung vermehrt erhalten bleibt. Heulage wird gerne an Pferde mit Heustaubhusten oder anderen Atemwegserkrankungen verfüttert, da sie sehr staubarm ist und die Atemwege somit nicht unnötig reizt.

Rindersilage

Heulage

Der Schnittzeitpunkt für die Herstellung von Heulage liegt meistens am Ende der Blütezeit, so sorgt der höhere Rohfasergehalt des Grases für einen ausreichend hohen Trockensubstanzgehalt. Überständig gemähtes Gras hingegen bildet allerdings wegen seinem zu hohen Rohfasergehalt und seinem zu geringem Saftgehalt der Pflanzen zu wenig der für den Siliervorgang wichtigen Milchsäuren. Die Milchsäurebakterien verhindern unter Luftabschluss die Entwicklung von Schimmelpilzen und Bakterien. Bei einer Lagerung in der prallen heißen Sonne oder bei einer Beschädigung der Einwickelfolie kommt es zu Fehlgärungen und der Bildung von Schimmelpilzen.

Gute Heulage ist hellgrün bis grün, riecht aromatisch frisch, leicht säuerlich und brotartig und hat eine griffige Struktur.

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Bei der Lagerung und Verfütterung von Heulage ist allerdings große Sorgfalt geboten. Kleinste Löcher in der Einwickelfolie müssen sofort abgeklebt werden, da die Heulage sonst verdirbt. Am besten sollten im Freien gelagerte Ballen zusätzlich mit Netzen abgedeckt werden um die Folie der Ballen vor Vögeln zu schützen. Angebrochene Ballen sollten immer sorgfältig wieder mit Folie abgedeckt und zügig verfüttert werden.

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Angeschimmelte Ballen sollten wegen der schnellen Verbreitung von Schimmel und Bakterien komplett weggeschmissen und nicht verfüttert werden. Eine große Gefahr bei der Heulagefütterung sind Tierkadaver im Ballen. Eine einzige tote Maus kann mit ihrem Leichengift einen ganzen Ballen komplett verseuchen und bei Pferden die gefürchtete meistens tödlich endende Krankheit Botulismus auslösen.

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Stroh:
Als Futterstroh eignet sich am besten Hafer- oder Weizenstroh. Gutes Futterstroh ist eine ernstzunehmende Alternative zu minderwertigem Heu. Stroh hat einen geringen Eiweißanteil und eignet sich somit für leichtfuttrige Pferde, die zwar Rauhfutter als Beschäftigung bekommen sollen, aber nicht zu dick werden sollen. Allerdings sollte mindestens 1/3 des Rauhfutters trotzdem aus Heu bestehen, da Stroh beim Verdauungsprozess eine lange Verweildauer im Blinddarm hat und so zu Blinddarmverstopfungen und Koliken führen kann.