Veröffentlicht am 17.04.2020

Am Abend des 20. August 2019 kam aus einer kleine Seitenstraße im .

Ein komplettes Haus, abgesehen von der Dachspitze machte sich auf einem Tieflader auf die Reise zum neuen Standort.

In den Tagen zuvor wurden stabile Stahlträger unter dem Eigenheim verteilt, anschließend mit einem Liebherr LTM 1350-6.1 vom angestammten Platz gehoben und auf dem Siebenachser abgestellt.

Als es im Rückwärtsgang in Richtung Hauptstraße ging, konnte man erkennen, dass die Spitze des Dachs entfernt wurde.

Schließlich stehen immer irgendwo Brücken, die unterfahren werden müssen und meist nur vier Meter hoch sind.

Aber warum fährt man überhaupt ein Haus spazieren?

Im Freilichtmuseum am Kiekeberg werden den Besuchern Lebens- und Wohnwelten vergangener Tage verschiedenster Epochen gezeigt. Um dem Zeitfenster der 1960er ein weiteres damals hochaktuelles und umstrittenes Exponat zu spendieren, durfte dieses standardisierte Haus aus dem Quelle-Katalog (ja, wirklich: damals gab es ein Eigenheim vom Paketboten
!) die Reise antreten.

In Winsen an der Luhe wurde dieses Quelle-Haus 1966 errichtet und zunächst als Musterhaus für Interessenten aus dem Norden genutzt. Zwei Jahre Später zog eine fünfköpfige Familie in das Fertighaus ein. Nach dem Ableben der Eltern wurde das 110 Quadratmeter große Gebäude dem Museum vermacht.

Durch die Breite von 7,8 Metern wurde jede Kreuzung mit Lichtzeichen und Schildern zur Prüfung für Fahrer und Einweiser.

Im Winsener Ortskern begleiteten noch etliche Schaulustige den Transport.

Als Zugmaschine kam ein Volvo FH 16 6x4 mit 750 PS und i-Shift-Getriebe mit Kriechgängen zum Einsatz.

Als Begleiter von Schwertransporten in Deutschland sind nur selten "weiße Mäuse" zu entdecken.

Die Bezeichnung kommt ebenfalls aus den Wirtschaftswunderjahren, als die Motorrad-Eskorten häufig zu sehen waren.

Geschulte Augen an beiden Seiten des Gespanns achten darauf, das Haus unbeschädigt durch sämtliche Nadelöhre zu fahren.

Obwohl es hier richtig interessant wurde, waren hier die "Sehleute" nicht mehr dabei.

Die stählernen Hindernisse waren in der Umfahrung noch recht gut planbar.

Bei Bäumen und Hecken musste das Team immer spontan entscheiden, teilweise wurden Ästen beschnitten.

Manchmal läuft aber auch einfach, gerade, zweispurig und einfach.

Bei allen Fachleuten von Sondertransporten beliebt: Kreisverkehre.

Alle Begleiter müssen raus und häufig tief gebeugt alles genauestens im Auge behalten.

Kreisverkehre erfordern häufig das zahlreiche Auslegen von Matten zum direkten Überfahren der Grünflächen.

Am folgenden Tag wurde das Haus mit dem Kran an den vermutlich finalen Standort gestellt und mit dem Dach vervollständigt. In den folgenden Monaten wurde nahezu die gesamte originale Inneneinrichtung vom Museumsteam wieder implantiert.
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