Martina Grabski            

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Lernverhalten

Veröffentlicht am 29.11.2000

Wie motiviere ich mein Pferd etwas zu lernen?

Diese Frage stellen sich viele Reiter beim Training mit dem Pferd. Antworten auf diese Frage gab Manuela Kirbach-Emden auf einem Reiterstammtisch. Manuela Kirbach-Emden ist Ethologin mit dem Schwerpunkt Lernen bei Tieren, Leiterin des Westerntrainingsstalls Eichenhof sowie ehemalige Deutsche Meisterin im Superhorse.

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Bevor das Lernverhalten der Pferde näher erläutert wurde, ging es im ersten Teil des Vortrages um die verschiedenen Arten des Lernens.

Gelernt wird z.B.:

   - durch Nachahmung
   - durch positive Erlebnisse, wie z.B. einer
     Belohnung nach erfolgreicher Übung
   - durch das Austesten verschiedener
     Lösungsmöglichkeiten

Beim Lernen spielen natürlich auch die Einflüsse aus der Umgebung eine große Rolle. Wer ein sehr zappeliges Pferd hat, der sollte vielleicht nicht unbedingt an einem windigen Tag, wenn es noch zappeliger ist, draußen auf dem Reitplatz das Stillstehen üben. Solche Situationen fördern nur unnötige Streitigkeiten, die das Lernen erschweren. Sicher sollte später, wenn das Pferd gelernt hat stillzustehen, sich auch nicht mehr von seiner Umgebung beeinflussen lassen. Hier liegt es dann am Reiter seine Anforderungen auszubauen und das Pferd dann auch mal gezielt solchen Situationen auszusetzen.

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Im zweiten Teil des Vortrages erklärte die Referentin ihre Erkenntnisse zum Lernverhalten von Pferden, anhand von Beispielen aus ihrer täglichen Arbeit mit Pferden. Ihrer Meinung nach lernen Pferde zum großen Teil durch das Austesten in Verbindung mit positiven Erlebnissen. Pferde können nicht logisch Denken und handeln eher nach dem Erfahrungsprinzip. Das bedeutet sie suchen bei einer Aufgabenstellung nach Lösungen nach dem Motto "das war letztes Mal richtig, vielleicht ist es jetzt auch richtig". Erst durch häufige Wiederholungen setzt der Lernprozess ein und das Pferd prägt sich die Lösung für die gestellte Aufgabe ein.

Häufig werden die natürlichen Reaktionen der Pferde auf z.B. Körpersprache bei der Bodenarbeit ausgenutzt, um dem Pferd ein Kommando beizubringen. Ein Beispiel hierfür ist das Antippen der Kruppe mit einem gleichzeitig gegebenen Stimmkommando z.B. "Komm". Am Anfang tritt das Pferd aufgrund eines Reflexes begründet durch die Berührung der Kruppe an. Wird diese Übung einige Male wiederholt, so wird das Pferd das Kommando "Komm" mit dem Antreten in Verbindung bringen und später auch auf das reine Stimmkommando antreten.

In dem folgenden Beispiel zum Lernen nach dem Erfahrungsprinzip wird auf die genaue Erläuterung der einzelnen Reiterhilfen verzichtet. Zur Vereinfachung gehen wir davon aus, dass das Pferd auf einen Zügelzug hin rückwärts gehen soll. Ein Pferd, welches diese Hilfe den Zug am Zügel noch nicht kennt, wird meistens als erstes mit einem Schritt vorwärts reagieren. Wenn trotzdem der Zügelzug beibehalten wird, dann wird das Pferd versuchen mit einem Schritt zur Seite diesem unangenehmen Zug zu entkommen. Zu guter Letzt wird das Pferd dann den Versuch starten einen Schritt rückwärts zu gehen. Dieses muss sofort durch ein Nachgeben der Zügel belohnt werden. Nur so wird das Pferd nach einigen Wiederholungen den Zügelzug mit dem Rückwärts gehen in Verbindung bringen. Ganz wichtig ist bei solchen Übungen auch den Hauch eines Ansatzes der richtigen Lösung zu belohnen. Der Ansatz für die richtige Lösung kann beim Beispiel Rückwärtsrichten auch nur eine leichte Gewichtsverlagerung des Pferdes nach hinten sein. Da grade das Rückwärtsrichten vielen Pferden schwer fällt kann es passieren, dass der einzige Versuch in die richtige Richtung eine kleine Gewichtsverlagerung darstellt. Wird dieser richtige Ansatz zur Lösung nicht prompt belohnt, so ist das Pferd verwirrt.

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Aus diesem kleinen Beispiel ist auch ein wichtiger Grundsatz ersichtlich. Das Lernen soll dem Pferd leicht gemacht werden, indem es bei einem richtigen Ansatz belohnt wird. Das Pferd soll das Gefühl haben, dass es etwas für sich getan hat d.h. es geht auf Zügelzug rückwärts, das unangenehme Gefühl im Maul verschwindet. Wichtig ist vor allem die Belohnungen durch Futter später zu reduzieren. Dadurch das es die Belohnung jetzt nicht mehr ständig nach der geforderten Aufgabe bekommt, sondern nur noch z.B. jedem dritten Mal wird es motiviert die geforderte Aufgabe auch weiterhin zu lösen. So beigebrachte Lektionen prägen sich gut beim Pferd ein.

Wichtig zu Wissen ist, dass Pferde schlecht spiegelverkehrt denken können. Deshalb fällt es Pferden oft schwer z.B. eine gelernte Vorhandwendung nach rechts auf einmal bei den selben nur spiegelverkehrten Hilfen jetzt linksherum zu machen. Genauso verhält es sich natürlich bei der Gewöhnung an z.B. Siloplanen. Deshalb ist es wichtig alle neuen Übungen auch mit Ruhe und Geduld auf die zweite Seite zu übertragen und nicht vorauszusetzen, dass das Pferd die selbe Übung auch gleich spiegelverkehrt ausführen kann.

Viele Reiter machen auch den Fehler gleich eine neue Lektion korrekt zu verlangen, damit wird das Pferd häufig verwirrt. Um bei dem Beispiel des Rückwärtsrichten zu bleiben sollte der Reiter nicht gleich Wert auf ein geradegerichtetes Pferd legen. Wenn das Pferd am Anfang noch zaghaft Rückwärts geht wird es häufig durch den Reiter verwirrt, der mit einer geänderten Hilfengebung jetzt zusätzlich noch das Pferd geraderichten will. Hat das Pferd erst einmal gelernt wann es rückwärts gehen soll, dann ist die Zeit gekommen auf ein korrektes Rückwärtsrichten zu achten. Die Übungen sollten immer Schritt für Schritt aufgebaut werden und nicht gleich alles auf einmal.

Um das Pferd beim täglichen Training und bei dem Erlernen neuer Lektionen bei Laune zu halten, sprich zu motivieren, sollten die einzelnen Übungseinheiten immer kurz gehalten werden. Nach eine Übungseinheit sollte eine Erholungsphase wie z.B. einige Runden im Schritt oder bei einem eher zappeligen Pferd das lernen soll stillzustehen auch mal ein frischer Trab eingelegt werden. Auch durch solche Erholungsphasen wird ein Pferd belohnt und strengt sich so bei der nächsten Übungseinheit auch mal etwas mehr an. Wenn es weiß, dass es sich anschließend z.B. strecken und ruhig im Schritt gehen darf.

Ein Patentrezept für ein freudig mitarbeitendes Pferd gibt es natürlich nicht, schließlich sind Pferde Lebewesen und jedes ist anders. So liegt es an jedem einzelnen Reiter die Stärken und Schwächen seines Pferdes zu erkennen und darauf im Training einzugehen.

Mein persönlicher Buchtipp zu diesem Thema: "Pferde erfolgreich motivieren" von Monika Krämer, in diesem Buch wird nicht nur auf das Lernverhalten sondern auch auf die Zusammenhänge von Haltung und Training eingegangen.